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Ortsdosisleistung (ODL)  Hechingen, 19. Juni 2011

   - 0,100 µSv/h -


Weitere Information zu Schutz, Lebensmitteln, Strahlenmessung, Hintergrundstrahlung.

Radioaktivität in unserer Umgebung (Zollernalbkreis, Baden Württemberg)

Wir Menschen sind in unserer natürlichen Umgebung radioaktiver Strahlung permanent von außen ausgesetzt. Diese setzt sich zusammen aus der Strahlung der überall im Boden vorkommenden natürlichen radioaktiven Stoffe (terrestrische Strahlung) sowie aus einer Strahlung, die ihren Ursprung im Weltraum hat (kosmische Strahlung).

Die Höhe der radioaktiven Bestrahlung (Strahlenmessung), der der Mensch, je nach Ort in sehr unterschiedlicher Höhe ausgesetzt ist, wird Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) genannt und in der Einheit µS/h (Mikrosievert pro Stunde) angegeben.

Die natürliche Strahlenexposition in Deutschland beträgt als Jahressummenwert zwischen 2 und 5 mSv/a (Millisievert pro Jahr) und kann in einzelnen Landstrichen bis zu 10 mSv/a betragen. Davon beträgt die Strahlenexposition von außen ca. 0,7mSv, durch Nahrungsaufnahme ca. 0,3 mSv und durch Einatmen des radioaktiven Edelgases Radon ca. 1,1 mSv pro Jahr (BfS).

Auf www.pegasus-online.de veröffentlichen wir seit dem 13. März die aktuelle Strahlungsaktivität (Gamma-Ortsdosisleistung, ODL) als Durchschnittswert der Ortsdosisleistung der letzten 24 Stunden für den Standort Hechingen, Lotzenäcker.

Unsere Meßingenieure führen auch externe Strahlenmessungen im Auftrag durch.

 

Die durchschnittliche ODL lag in den zurückliegenden Monaten (Zollernalbkreis) bei:

0,120 µSv/h (Mikrosievert pro Stunde)

bei einer Schwankungsbreite von 0,100 bis 0,200 µSv/h.

 

Grenzwerte und gesundheitliche Folgen

Grenzwerte bestehen für Menschen, die durch ihre berufliche Tätigkeit Strahlung ausgesetzt sind, sowie für die allgemeine Bevölkerung.

  • Für beruflich strahlenexponierte Personen wie Mitarbeiter kerntechnischer Anlagen oder Flugpersonal gelten 20 mSv/a (Millisievert pro Jahr) als gesetzlicher Grenzwert. Über ein Berufsleben hinweg dürfen hier nicht mehr als 400 Millisievert zusammenkommen.

  • Für die Bevölkerung ist die maximale Belastung durch kerntechnische Anlagen auf 1 mS/a (Millisievert pro Jahr) festgelegt.

Die Strahlenbelastung kann bei einer Kernschmelze insbesondere im Nahbereich des Reaktors eine Höhe erreichen, die längerfristig zu einem erhöhten Leukämie- und Krebsrisiko der Betroffenen führt. Das Auftreten dieser Erkrankungen liegt häufig Jahre bis Jahrzehnte nach der Strahlenexposition, und die Wahrscheinlichkeit hängt von der Höhe der Strahlenbelastung ab.

In der engsten Umgebung eines Reaktors kann bei einer Kernschmelze möglicherweise auch eine sehr hohe Strahlenbelastung auftreten, die zu einer akuten Strahlenkrankheit führen kann. Ist ein Mensch einer Strahlung in Höhe von über 500 Millisievert ausgesetzt, können gesundheitliche Schäden bereits innerhalb von Stunden, Tagen oder Wochen auftreten.

Grundsätzlich gilt: es gibt keinen Wert, unter dem radioaktive Strahlung kein gesundheitliches Risiko beinhaltet. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Folgen (insbesondere von Krebserkrankungen) mit der Höhe der erfahrenen Strahlenbelastung. Bei einer geringen Strahlenbelastung ist dagegen die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Körper die Wirkung dieser Strahlung selbst reparieren kann (BfS).

 

Natürliche radioaktive Strahlung in Lebensmittel:

Alle Pflanzen nehmen über den Boden radioaktive Stoffe auf. Der Gehalt an natürlicher Radioaktivität wird dabei überwiegend vom Isotop Kalium 40 bestimmt. Gemessen wird üblicherweise in Bq/kg (Bequerel pro Kilogramm).  Dabei steht Bq für die Anzahl der atomaren Zerfälle pro Sekunde. 

In der Tabelle sind die Durchschnittswerte der natürlichen Strahlung für verschiedene Lebensmittel abgebildet.

Lebensmittel Natürliche Strahlung (Bq/kg)
Milch 40-60
Gemüse 30-150
Obst 30-150
Fleisch 50-150
Honig 30-200

 

Grenzwerte der radioaktiven Strahlung in Lebensmitteln:

Gem. der EU Verordnung liegt der Grenzwert für handelbare Lebensmittel bei 600 Bq/kg und für Babynahrung bei 370 Bq/kg

 

Historie Ortsdosisleistung (ODL) in µSv/h, Hechingen (Baden Württemberg):

Datum  
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So


KW 11
 
0,120
0,120
0,100
0,100
0,090
0,090
0,090


KW 12
 
0,090
0,090
0,090
0,090
0,100
0,090
0,100


KW 13
 
0,100
0,110
0,100
0,100
0,090
0,090
0,100


KW 14
 
0,100
0,100
0,090
0,090
0,090
0,090
0,100


KW 15
 
0,090
0,090
0,090
0,090 0,100
0,090
0,090


KW 16

0,100 0,090
0,090
0,090
0,090
0,100
0,100


KW 17 0,100 0,100 0,100 0,090 0,090 0,100 0,100
KW 18 0,100 0,100 0,100 0,090 0,090 0,090 0,090
KW 19 0,100 0,100 0,090 0,090 0,090 - -
KW 20 0,100 0,090 0,090 0,090 0,090 0,090 0,090
KW 21 0,100 0,090 0,090 0,090 0,090 0,090 0,090
KW 22 0,090 0,090 0,090 0,090 0,090 0,090 0,090
KW 23 0,090 0,100 0,100 0,100 0,090 0,090 0,090
KW 24 0,100 0,100 0,090 0,090 0,090 0,090 0,100
KW 25

 

Schutz vor radioaktiver Strahlung:

Als erste, und sehr wichtige Aussage sollte man wissen, dass radioaktive Strahlung zumeist "Teilchengebunden" ist. Und wenn vermieden wird, dass sich diese Teilchen an oder in unseren Körper "schleichen" können, ist schon viel erreicht!

1. Die natürlicherweise wichtigste Belastung durch radioaktive Strahlung ist Radon, ein gasförmiger Stoff, der vorwiegend alpha-Strahlung aussendet, die nur wenige Millimeter unseres Körper durchdringen. Hier ist die Aufnahme für eine Schädigung also entscheidend über die Lunge (Atmung) und die Lebensmittel. Da Radon fast auschließlich durch den natürlichen Untergrund entweicht, sollten sie ihren Keller regelmäßig lüften, eine echte Vorsorgemaßnahme.

2. Sollte eine radioaktive Wolke über unseren Lebensraum ziehen, ist es wichtig, dieser zu entweichen, denn sie wird nicht ewig dauern. Also, Fenster und Türen schließen, das Haus so dicht wie möglich machen. Denn auch die sehr anhaltende gamma-Strahlung durch Cäsium ist "Teilchengebunden". Wo nichts reinkommt, kann auch nichts schädigen.

3. Der Aufenthalt im Freien, bei Durchzug einer radioaktiven Wolke, sollte vermieden werden.

4. Nach dem Durchzug einer radioaktiven Wolke sollte alles mit Wasser abgespritzt werden. Dies führt zu einer "Auswaschung" der Teilchen in den Boden. Je mehr Wasser umso besser, da die radioaktiven Teilchen im "Boden verschwinden", und nicht mehr durch den Wind aufgewirbelt werden können.

5. Regen während des Durchzuges einer radioaktiven Wolke ist schlecht! Da sollten sie auf jedenfall im Haus bleiben. Nach dem Regen ist die Strahlung um ihre Wohnung deutlich erhöht, da die Teilchen ausgewaschen wurden und im Garten liegen. Hier bedarf es einer sehr intensiven Kontamination des Bodens.

6. Sollten sie beim Durchzug einer radioaktiven Wolke im Freien gewesen sein, ist eine ausführliche Dekontamination notwendig. Das kann mit viel Wasser durchgeführt werden. Aber bitte nicht im eigenen Badezimmer, sondern im Freien, sonst haben sie ihre Wohnung kontaminiert (befleckt).

 

 

Wissenswertes über radioaktive Stoffe

Radioaktive Stoffe sind unsichtbar und geruchsfrei. Und doch können sie einen Menschen krank machen – oder sogar töten. Seit der Atomkatastrophe in Tschernobyl wissen Forscher – zumindest bei einigen Substanzen – ziemlich genau, welche Schäden sie im menschlichen Organismus verursachen können.

Radiaktives Cäsium:

CS 137: physikalische Halbwertszeit 30 Jahre

Gelangt Cäsium in den Körper, verhält es sich chemisch wie das ungefährliche Kalium. Gelangt es über die die Nahrung oder das Trinkwasser in den Körper, wird es überwiegend in Muskel- und Organgewebe gespeichert. Die Strahlung verteilt sich mehr oder weniger gleichmäßig im ganzen Körper.

Durch den natürlichen Stoffwechsel wird der Stoff abhängig von Alter und Geschlecht mit einer Halbwertszeit (biologische Halbwertszeit) von etwa 110 Tagen wieder ausgeschieden.

Radioaktives Jod:

Jod 131: physikalische Halbwertszeit 8 Tage

Grundsätzlich ist natürliches Jod für den menschliche Körper ausgesprochen wichtig – die Schilddrüse baut es in Hormone ein, die für den Stoffwechsel im gesamten Körper unverzichtbar sind. Bei der Kernspaltung im Atomreaktor entsteht allerdings das radioaktive Jod-Isotop 131. Und dessen Resorption im menschlichen Körper ist alles andere als gesund.

Jod 129 und 131 sind sehr flüchtige Substanzen, die sich über die Luft schnell großflächig verbreiten und von den Menschen eingeatmet werden können.

Bei Menschen, die radioaktives Jod über die Atmung oder die Nahrung aufnehmen, reichert sich der Stoff in der Schilddrüse an und wird dort nur langsam abgebaut. Insbesondere bei Kindern wurde in diesen Fällen ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs nachgewiesen.

Jodtabletten können helfen

Um die Risiken für die Bevölkerung zu mindern, hat die japanische Regierung inzwischen damit begonnen, Jodtabletten an die Bevölkerung zu verteilen. Die Pillen enthalten ungefährliches, nicht radioaktives Jod. Diese blockiert für das radioaktive Jod die Transportwege in die Schilddrüse; der Jodstoffwechsel innerhalb des Organs kommt zum Erliegen. Die Folge: Das radioaktive Jod wird nicht mehr in die Schilddrüse eingelagert sondern relativ schnell über die Nieren ausgeschieden; das Risiko von Folgeschäden verringert sich.

Eine vorbeugende Einnahme von Jodtabletten – etwa in Deutschland – ist allerdings nicht zu empfehlen. Im Gegenteil. Experten raten ausdrücklich von einem solchen Schritt ab, da sich dadurch das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen sogar erhöhen kann. Nur eine radioaktive Wolke direkt über Deutschland würde die Einnahme von hochdosierten Jodpräparaten rechtfertigen.

Strontium 90

S90: physikalische Halbwertszeit 29 Jahre

Strontium 90 ähnelt in seiner chemischen Zusammensetzung dem Calcium. Der Körper lagert es deshalb vorwiegend in den Knochen und im Knochenmark ein. Und genau das ist das Problem: Denn in unmittelbarer Nähe zum blutbildenden Gewebe steigern die radioaktiven Substanzen die Gefahr, Tumore zu entwickeln oder an Leukämie zu erkranken.

Der Stoff wird in Staubpartikeln gebunden und fliegt damit durch die Luft. In den Körper gelangt Strontium deshalb entweder über die Atmung oder durch die Strahlung, die die Teilchen in der Atemluft aussenden. Besonders tückisch: Mit einem herkömmlichen Geigerzähler lässt sich Strontium 90 im Körper nicht nachweisen.

Plutonium

P239: physikalische Halbwertszeit 24tausend Jahre

Plutonium zählt zu den Schwermetallen. Und es ist genauso giftig. Schon zwanzig Milligramm können einen Menschen töten. Dennoch liegt die eigentliche Gefahr, die von dem Stoff ausgeht, in der Strahlung, die er aussendet.

Der Austritt von Plutonium aus dem Unglücksreaktor Fukushima 1 zählt deshalb zu den größten Sorgen der Verantwortlichen. Der Stoff zählt zu den sogenannten Ultra-Umweltgiften und schädigt den menschlichen Körper in vielfältiger Weise. Die Reichweite der Strahlung beträgt zwar weniger als einen Millimeter und ist damit so gering, dass Haut oder Kleidung nicht durchdrungen werden. Ausgesprochen gefährlich wird es allerdings, wenn der Stoff, der an Staubpartikel gebunden in die Luft gelangt, vom Menschen eingeatmet wird.

In diesem Fall reichen schon winzigste Mengen, um das Risiko von Lungenkrebs signifikant zu steigern. Aber auch eine Anreicherung in den Knochen, der Leber und den Lymphknoten ist in einem solchen Fall denkbar: Das Risiko von Krebserkrankungen oder Schäden am Erbgut kann signifikant steigen.

Edelgase

Xenon

Edelgase, die aus dem Reaktor austreten, sind radioaktiv und können vom Menschen über die Atmung aufgenommen werden, dadurch ins Blut gelangen und im schlimmsten Fall eine akute Strahlenkrankheit auslösen. Die Symptome reichen – je nach Dosis und Intensität der Strahlung – von Blutbildveränderungen aufgrund einer Schädigung des Knochenmarks über Magen-Darmprobleme bis hin zum akuten Herzversagen.

Allerdings sind diese Gase ausgesprochen flüchtig. Ab einer Entfernung von einigen Kilometern vom Reaktor besteht– im Hinblick auf diese Stoffgruppe – relativ wenig Anlass zur Sorge

 

Jodtabletten

Stellungnahme des BfS zur Jodblockade der Schilddrüse

Radiojod kann über das Einatmen sowie über den Verzehr von Lebensmitteln und Trinkwasser in den Körper gelangen. Die rechtzeitige Einnahme von Jodtabletten schützt die Schilddrüse gegen die Aufnahme von Radioiod. Ziel der Jodblockade ist die Verminderung des Risikos für Schilddrüsenkarzinome nach Strahlenbelastung mit radioaktivem Jod. Kinder und Jugendliche sind hier insbesondere gefährdet.

Zur Jodblockade der Schilddrüse ist eine hohe Dosis von Kaliumjodid notwendig. Hohe Gaben von Kaliumjodid sind allerdings auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Insbesondere bei Erwachsenen leidet ein zu beachtender Anteil der Bevölkerung in Deutschland an einer latenten Hyperthyreose, d.h. einer Überfunktion der Schilddrüse, ohne dass bereits Krankheitszeichen bestehen. Diese latente Hyperthyreose kann durch Einnahme hoher Dosen von Kaliumiodid in eine Hyperthyreose mit Krankheitszeichen übergehen, die bis zu akutem Herz-Kreislauf-Versagen reichen können. Weitere Nebenwirkungen wie Überempfindlichkeit gegen Iod sind bekannt.

Es sind daher Nutzen und Risiken einer Kaliumjodidgabe zur Jodblockade der Schilddrüse abzuwägen.

  • Eine Iodblockade der Schilddrüse wird nur dann empfohlen, wenn für Kinder und Jugendliche bis unter 18 Jahre eine Schilddrüsendosis von 50 mSv erwartet wird. Dieser Wert gilt auch für schwangere Frauen.
  • Für Erwachsene ab 19 bis 45 Jahre gilt ein Wert für die zu erwartende Schilddrüsendosis von 250 mSv.
  • Personen über 45 Jahren wird von einer Einnahme von Kaliumjodidtabletten zur Schilddrüsenblockade abgeraten. Für sie überwiegen die Risiken von Nebenwirkungen den Nutzen der Vermeidung eines erhöhten Risikos für Schilddrüsenkrebs.

Aufgrund der Nebenwirkungen wird von einer Eigenmedikation dringend abgeraten.

Für Deutschland werden auf Grund des Unfalls der Kernkraftwerke in Fukushima, Japan, keine erhöhten Radiojodkonzentrationen in Luft und Lebensmitteln erwartet, denen eine gesundheitliche Bedeutung zuzumessen ist.

Von der Einnahme von Kaliumjodidtabletten in Deutschland zur Schilddrüsenblockade wird daher dringend abgeraten (BfS).


 

 

 


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